Behandlung der ALL

Vor jeder Behandlung eines Krebspatienten durch eine Chemotherapie muss der Patient, oder bei Kindern der Vormund, seine Unterschrift bzw. sein Einverständnis zur Therapie und zum Procedere geben, bevor er behandelt werden kann. Dieses Einverständnis erfolgt nach einer Besprechung und Information über die Krankheit, die Therapie und deren Nebenwirkungen von mehreren Ärzten und Krankenschwestern mit dem Patienten und mit dessen Eltern (Vormund).

Protokoll des Aufklärungsgesprächs

Einwilligungserklärung

Einverständniserklärung

Massgeschneiderte Therapie

Alle Therapien zur Behandlung von Leukämien sind freilich in einem Behandlungsprotokoll vorgegeben, müssen jedoch jedem einzelnen Patienten individuell angepasst werden. So werden Medikamente und die Dosierung, zeitliche Folge und Rhythmus der einzelnen Applikationen jedem Patienten angepasst. Bei günstigen Prognosen auf eine Heilung werden so kleine Dosen wie möglich, aber dennoch von einer wirksamen Menge verabreicht, damit später weniger Folgeschäden oder weniger Nebenwirkungen eintreten.

Hat ein Patient z.B. durch die Chemotherapie zu wenig Blutzellen (Erythrozyten und/oder Thrombozyten und/oder Leukozyten) und muss deswegen Transfusionen der Blutzellen haben, so kann es zu einem Therapieunterbruch führen. Hat der Patient zu wenig Abwehrkräfte, kommt er in die Isolation, bzw. in ein Zimmer, in welchem alles klinisch rein oder anders ausgedrückt keimfrei sein sollte und die Besucher nur in Ärztekitteln und Mundschutz ins Zimmer dürfen. Das Essen während dieser Zeit muss ebenfalls gekocht oder zumindest in der Mikrowelle gewärmt worden sein, damit keine krankheitserregende Stoffe an den Patienten gelangen können. Durch solche Zwischenfälle kann eine Therapie unterbrochen werden. Sie wird dann erst wieder fortgesetzt, wenn die Blutwerte und der Allgemeinzustand des Patienten wieder normaler sind. So kann es Patienten geben, die zur gleichen Zeit die Therapie begonnen haben, jedoch diese in einem Unterschied von mehreren Wochen oder sogar Monaten beendet haben, je nachdem, wie viele Komplikationen aufgetaucht sind.

Die Therapie sieht je nachdem, wie die einzelnen Kriterien für eine günstigere oder eine ungünstigere Prognose ausfallen, anders aus. Der Patient wird so in eine von drei Risikogruppen eingeteilt und hat so eine von drei verschiedenen Behandlungsarten.

 

Minimale residuale Leukämie (MRD)

Eine neue individuelle Therapieanpassung wurde kürzlich dank einer neuen Sonden-Technik zum Nachweis von wenigen Leukämiezellen im Knochenmark möglich (= minimale Resterkrankung MRD). Mit dieser Technik werden nicht die Blastenzellen, sondern Bestandteile ihres Kernes (Veränderungen des genetischen Materials) untersucht. Mit molekulargenetischen Methoden lässt sich so objektiv beweisen, was längst vermutet wurde, dass bei einer Vielzahl von Patienten, die mikroskopisch frei von Leukämiezellen im Knochenmark sind, immer noch Blasten vorhanden sein können. Die Behandlung wird daher im Verlauf der Chemotherapie je nach Anzahl der zurückgebliebenen Leukämiezellen angepasst werden müssen. Ist die Blastenzahl zur Woche 12 der Behandlung unter einem genau festgesetzten Wert gefallen, kann die Chemotherapie-Intensität vermindert werden. Ist der minimale Rest der Leukämiezellzahl jedoch noch hoch, muss davon ausgegangen werden, dass die Therapie ungenügend gegriffen hat und so die Wahrscheinlichkeit eines Leukämie-Rückfalles gross ist. Diese Patienten benötigen eine intensivere Therapie, um von ihrer Leukämie definitiv geheilt zu werden.