Chemotherapie

Eine Chemotherapie setzt sich aus Zytostatika und anderen Medikamenten, wie z.B. Kortison zusammen. Das Ziel der Chemotherapie durch Zytostatika ist es, sämtliche Leukämiezellen an allen Orten in dem erkrankten Körper zu vernichten, also auch zwischen den Hirnwindungen. Es wurden komplizierte Therapien entwickelt, um die Nebenwirkungen möglichst tief zu halten und die grösstmögliche Wirksamkeit gegen die Zellen zu erreichen. Diese Therapien sind aus verschiedenen Medikamenten zusammengesetzt, welche sich in der Wirksamkeit ergänzen sollen und zudem die Nebenwirkungen gering halten. Eine solche Therapie ist in verschiedene Phasen aufgeteilt:

1. Induktionsphase oder Protokoll I

In dieser Phase sollte eine Remission erreicht werden. Diese Phase dauert theoretisch 64 Tage, wobei diese Zeit im Spital verbracht wird.

In dieser Phase erhält der Patient etwa acht verschiedene Medikamente. Das Prednison z.B. wird jeden Tag über einen Zeitraum von 38 Tagen verabreicht, wobei die Menge innerhalb der ersten Woche von Null auf die totale Menge gesteigert wird und ab dem 29 Tag langsam wieder verringert wird. Die Prednisonantwort, d.h. der Rückgang der Blastenzahl auf Prednison, ist prognostisch sehr wichtig. In den ersten 7 Tagen der Therapie wird dem Patient nur Prednison verabreicht. Am 8. Tag sollten dann die Blastenanzahl im Blut unter 1000 vermindert sein.

In dieser Phase werden an Stichtagen Knochenmarkpunktionen durchgeführt. Stichtage sind die vorgegebenen Tage, an denen am Tag 8 der Blastenanteil eine maximale Anzahl unterschritten haben muss und am Tag 33 eine Remission erreicht worden sein sollte. Für eine Remission muss der Blastenanteil im Knochenmark am Tag 33 weniger als 5% betragen.

2. Protokoll M

In dieser Phase werden zwei Zytostatika verabreicht. Zum einen ein Medikament in Tablettenform und das Methotrexat in einer hochdosierten Menge via Infusion, welche über 24 Stunden läuft. Diese Phase dauert 56 Tage, wobei der Patient eine Woche im Spital mit dem hochdosierten Methotrexat und Tabletten behandelt wird und abwechslungsweise die andere Woche zu Hause verbringen kann, wobei die Tabletten auch zu Hause eingenommen werden müssen.

Alle zwei Wochen, bzw. nach der stationären Woche, wird eine Lumbalpunktion durchgeführt, das heisst insgesamt 4 Lumbalpunktionen in 56 Tagen.

Die Lumbalpunktionen dienen dazu, wirksame Medikamente in die Hirnflüssigkeit zu führen, um so leukämische Zellen, die sich im Liquor versteckt haben, zu zerstören.

3. Konsolidierungsphase oder Protokoll II

In dieser Phase geht es darum, die Remission zu konsolidieren. Es werden einige neue und einzelne Medikamente aus der Induktionsphase verabreicht. Diese Zeit der Therapie wird während 49 Tagen im Spital durchgeführt. Auch während dieser Phase werden Knochenmark- und Lumbalpunktionen vorgenommen. Mit den hochdosierten Methotrexatinfusionen und den Methotrexatinjektionen via Lumbalpunktion in die Hirnflüssigkeit werden leukämische Zellen im Zentralnervensystem vernichtet und so einem Rückfall in den Hirnhäuten Vorbeuge geleistet.

4. Erhaltungstherapie oder Dauertherapie

Die Erhaltugnstherapie beginnt 2 Wochen nach Abschluss des zweiten Protokolls. Die Dauertherapie dauert 24 Monate, wobei vom Beginn des ersten Protokolls gerechnet wird. Während dieser Zeit muss der Patient zwei Medikamente, das eine täglich und das andere wöchentlich einnehmen. Ebenfalls muss der Patient zuerst jede Woche, dann jede zweite Woche, jede dritte Woche usw. zur Kontrolle. Diese Therapie wird bei Infektionen, bei Leberproblemen, Lungenveränderungen oder weiteren Komplikationen unterbrochen. Die Zeit welche unterbrochen wurde wird am Ende der Therapie einfach noch angehängt.

 

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen der Behandlungen sind für viele Patienten, je nach Alter, schwer zu verkraften. So wird der Patienten bei den meisten Zytostatikaeinnahmen von starker Übelkeit und Erbrechen geplagt. Der Haarausfall beginnt eigentlich erst während des zweiten Therapieblocks so richtig. Vorher fallen vereinzelte Haare aus, worauf während des zweiten Protokolls ganze Haarbüschel ausfallen.

Während des ersten und des zweiten Protokolls muss der Patient zwei ähnliche Medikamente einnehmen, das Prednison und das Dexamethason. Prednison ist ein Hormon. Ein Hormon ist ein Stoff, welcher im menschlichen Körper selbst hergestellt wird und wichtige Funktionen haben.

Die Nebenwirkungen des Prednisons sind:

Diese Begleiterscheinungen gehen wieder weg, nachdem die Prednisoneinnahme gestoppt wurde.

Nach einem speziellen Medikament muss der Patient auch viel trinken, da diese Zytostatika sonst die Harnblase angreifen könnte. Kann ein Patient nicht genug trinken, so erhält er diese Flüssigkeit via Infusion, auch Tropf genannt, da die Flüssigkeiten nur tropfenweise in den Körper gelangen sollten.

Von dem Methotrexat kann der Patient wunde Stellen im Mund bekommen. Diese Wunden muss er mit einer speziellen Flüssigkeit bepinseln, damit sich diese nicht entzünden können. So ein Mittel wäre das Genziana Violett, welches ganz violett ist. Damit solche Wunden auch sonst nicht zu Entzündungen führen können, muss der Patient während der ganzen Therapie jeden Tag sechsmal eine Mundpflege durchführen, wozu das Zähneputzen mit einer weichen Borstenbürste, eine Mundspülung und ein dickflüssiger Sirup gehört, welchen man für kurze Zeit im Mund lassen sollte, um die Bakterien abzutöten.

 

Therapiestudie ALL - BFM 90 (Deutsches Modell)

ALL - BFM 90: Protokoll I

ALL - BFM 90: Protokoll M

ALL - BFM 90: Protokoll II